Wir sind unterwegs zum Vulkan Bromo auf der Insel Java. Während der Bus uns komfortabel durch die Gegend schaukelt, kommt mir das uralte Lied von Nena in den Sinn.

Rauchender Vulkan
Komm ganz nah heran
Tanz auf dem Vulkan
Ich hör, wie drüben jemand schreit
Zum letzten Atemzug bereit
Die letzten Tage sind gezählt
Denn der Vulkan regiert die Welt

Vulkan Bromo Probolinggo
Nicht besonders hübsch: der Hafen Probolinggo auf der Insel Java.

Die Hafenstadt Probolinggo bleibt hinter uns zurück und der indonesische Guide erzählt die Legende des Bromo, der einer der aktivsten Vulkane auf Java ist. Die Geschichte liegt Jahrhunderte zurück. Das Herrscherpaar des ansässigen Fürstentums führte eine glückliche Ehe und lebte im Reichtum, doch es konnte keine Kinder bekommen. In seiner Verzweiflung kletterte das Paar auf den Vulkan Bromo und betete um Nachwuchs. Die Götter versprachen zu helfen, doch sie stellten eine grausame Bedingung…

Ein Kind als Opfer der Götter

Das letztgeborene Kind des Herrscherpaares sollte ihnen geopfert werden. Tatsächlich sollen der Prinz und die Prinzessin 25 gesunde Kinder bekommen haben. Die Mutter weigerte sich jedoch, ihr jüngstes Kind zu opfern, woraufhin die Götter mit fürchterlichen Strafen drohten. Am Ende warf sie ihren letztgeborenen Knaben doch noch in den Krater des Vulkans. Sozusagen aus dem Jenseits befahl das Kind den Einheimischen, jedes Jahr eine Feier am Vulkan abzuhalten. Genau dieses Fest gibt es auch heute noch. Mitten in der Nacht machen sich die Menschen dann auf und wandern zum 2.329 Meter hohen Gipfel des Bromo, wo sie den Göttern Blumen, Früchte und Reis opfern.

Vulkan Bromo
Der Vulkan Bromo. Zuletzt brach er 2016 aus.

Abenteuerliche Anreise zum Vulkan Bromo

Legendenmäßig eingestimmt, blicke ich aus dem Fenster. In den Dorfstraßen streifen Ziegen und magere Katzen um die Häuser. Je weiter wir uns vom Hafen entfernen, umso schöner wird die Gegend. Nach einer Stunde Fahrtzeit steigen wir vom Bus in Jeeps um. Es geht immer bergauf. Die Straßen werden enger und steiler. Manchmal fahren wir im Slalom um die tiefen Schlaglöcher. Inmitten von Feldern voller Frühlingszwiebeln bleibt der Jeep mit einem letzten Ächzen stehen. Die anderen Jeeps fahren weiter.
Unser Fahrer, der aussieht wie 14 und sich ein Kissen unter den Hintern gelegt hat, um besser ans Lenkrad zu kommen, lässt uns aussteigen. „Kein Sorge, mein Freund holt euch“, versucht er uns zu beruhigen. Er kramt eine große Zange aus einem Fach hervor, öffnet die Motorhaube und beginnt, darin herumzuwirtschaften. Fünf Minuten später springt der Motor wieder an.

Vulkan Bromo Zwangspause
Zwangspause weil der Jeep streikt…

Nebelschwaden wabern über die Berghänge, als wir im Bromo Nationalpark ankommen. Jetzt geht es bergab, bis wir eine weite Ebene erreichen: ein Lavafeld. Abrupt wechselt die Landschaft vom üppigen Grün zu einer grauen Einöde, über der der Vulkan Bromo seinen Rauch in den Himmel stößt. Endstation für den Jeep.

Vulkan Bromo

Vulkan Bromo
Das letzte Stück zum Vulkan Bromo reiten wir auf Ponys.

Der Ritt zum Vulkan

Wir steigen auf ein PS um, reiten mit Java-Ponys über das unwegsame Gelände, bis wir die Treppe zum Bromo erreichen. 240 in den Fels gehauene Stufen führen hinauf zum Kraterrand. Die Luft wird dünner hier auf 2329 Meter, das Atmen fällt schwerer. „Geht langsam. Und bleibt nicht so lange oben, manchen Leuten wird schlecht von den Schwefeldämpfen“, warnt unser Guide. Worauf er uns nicht vorbereitet hat, ist der Blick in den Schlund des dampfenden Vulkans. Und die Aussicht über die weite Ebene bis zum Horizont. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

Vulkan Bromo

 

Vulkan Bromo

Vulkan Bromo
Diese Treppen führen zum Vulkan Bromo hinauf.
Vulkan Bromo
Vulkan Bromo auf Java: Blick in den Krater.

Infos zum Vulkan Bromo:

Der Ausflug zum Vulkan Bromo war ein besonderer Höhepunkt während einer Segelkreuzfahrt mit der „Star Clipper“ ab/bis Bali durch Indonesien. Neben der „Star Clipper“ steuern auch Schiffe der Reedereien Seabourn, Holland America Line, Compagnie Du Ponant und Silversea den Hafen Probolinggo an. Die Reportage über die Segelkreuzfahrt lest ihr im Kreuzfahrtmagazin WELCOME ABOARD. Du kannst das Magazin hier bestellen.

Text, Fotos & Video: Susanne Müller

 

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