Eine Flusskreuzfahrt auf dem Amazonas im Norden von Peru zählt zu den spannendsten Reisen, die ich jemals unternommen habe. Weitab von der Zivilisation durchstreifte ich den Dschungel Perus, entdeckte rosa Delfine, Faultiere und Anakondas. Und durfte sogar an einer geheimnisvollen Schamanen-Zeremonie teilnehmen …

Die Hütte liegt auf einem Hügel am Ufer des Marañón, einem der Quellflüsse des Amazonas im Norden von Peru. Umgeben vom dichten Dschungel des Regenwaldes, war sie vom Fluss aus nicht zu erkennen gewesen. Es ist heiß und regnet in Strömen, der Urwald dampft und wir steigen die glitschigen Stufen zur Zeremonienhütte hinauf. Im Halbdunkel erwartet uns eine indianisch anmutende Frau: Carola – die oberste Schamanin der Region Pacaya Samiria.

Amazonas Schamanin
Carola, die Schamanin vom Stamm der Kukama im Amazonasgebiet von Peru.

Barfuß, bekleidet mit einem langen schwarzen Rock und einer bestickten, weißen Bluse mustert die Indianerin vom Kukama-Stamm schweigend ihre Besucher. Ihre glänzenden, tiefschwarzen Haare fallen offen bis zu ihren Hüften. Erst als alle auf den Holzbänken Platz genommen haben, beginnt sie zu sprechen….

Wie wird man eigentlich Schamanin?

Die Medizinfrau strahlt ein sehr natürliches Selbstbewusstsein aus und alle hängen an ihren Lippen, als sie uns von ihrem Leben erzählt. Nur wenige seien dazu berufen, Schamane zu werden, und die Ausbildung sei hart. Ob das angeborene Talent in einem schlummert, das merke man schon als Kind, sagt Carola. Bei ihr war es der Großvater, selbst ein großer Schamane, der die Gabe bei seiner Enkeltochter entdeckte, sie einigen Prüfungen unterstellte und schließlich ausbildete.

Ein Jaguar als Schutztier

„Acht Jahre lang durfte ich mich nur von Bananen und Fisch ernähren. Kein Alkohol, kein Tabak, kein Sex. Diese Reinigung von Körper und Geist ist nötig, um in Kontakt mit der Natur zu treten und die Magie der Pflanzen zu erfahren“, führt die Peruanerin fort. Ihr Großvater zeigte ihr in den acht Jahren ihrer Ausbildung, welche Schätze der Regenwald bereithält, um Menschen von Krankheiten zu heilen, von bösen Dämonen und Süchten zu befreien und um Wunden zu versorgen. Schließlich wurde Carola selbst zur Schamanin ernannt, sie durfte sich ein Schutztier oder eine Pflanze aussuchen, die ihr zeit ihres Lebens Energie verleihen solle. Sie wählte den Jaguar, den schönen, gefährlichen Jäger, der des Nachts durch den Dschungel von Peru streift.

Amazonas Dorf
Die Schamanin Carola betreut die Einwohner von neun Dörfer im Amazonasgebiet.

Geräusche des Urwalds

Der Regen tropft jetzt nur noch sacht auf das Blätterdach der Hütte und ein leichter Geruch nach Weihrauch hängt in der Luft. Während Carola von ihrem Leben als Schamanin erzählt, lehnen wir uns zurück und genießen die ruhige, entspannte Atmosphäre. Leise dringen die Geräusche des Urwalds in unser Refugium. Exotische Vögel zwitschern, Frösche quaken, Grillen zirpen. Ein winziger Affe krabbelt einen Baumstamm hinunter, um uns besser zu beobachten. Knapp einen Meter über meinem Kopf hat sich eine fünfzehn Zentimeter große Wolfsspinne drapiert. Nachdem wir gestern schon eine ziemlich schaurig aussehende Tarantel begutachtet haben, gehören Wolfsspinnen nun allerdings in die Abteilung ‚harmlose Zeitgenossen‘.

Amazonas Regenwald: die größte Apotheke der Welt

Carola entfaltet ihre Künste. Sie schmiert das schmerzende Knie einer Mitreisenden mit einer Salbe ein, massiert ein besonderes Öl auf eine beginnende Glatze, auf das das Haar nun wie bei Bob Marley sprieße. „Der Amazonas Regenwald ist die größte Apotheke der Welt, hier finde ich die Mittel für alle Krankheiten“, erklärt sie. Nun sucht sie sich ein weiteres Mitglied unserer kleinen Gruppe aus, nimmt ein paar tiefe Züge aus einer selbstgedrehten Zigarette und pustet den Rauch auf den Kopf ihrer „Patientin“. Mit melodischer Stimme stimmt sie ein Lied an, umrundet die Frau und verkündet schließlich, dass sie eine hellblaue, sehr positive Aura bei ihr wahrgenommen habe.

Hier seht ihr ein Video aus der Zeremonienhütte:

 

Der Trank der wahren Wirklichkeit

Stolz zeigt sie uns ihren Wundersaft: Eine Mischung aus Engelstrompete, Tabak, Chacruna und vor allem aus Ayahuasca, jener Pflanze, die für ihre bewusstseinserweiternden Eigenschaften berühmt ist. Der „Trank der wahren Wirklichkeit” lässt sie in die Welt der Mythen reisen, um Kontakt mit Geistern aufzunehmen. Schon ein kleiner Schluck ihres Gebräus reiche aus, um Visionen herauf zu beschwören. Die Bilder, die dann in ihrem Kopf entstehen, helfen ihr, herauszufinden, welche Krankheit einen Menschen plagt und welche Arznei die richtige für ihn ist. Immerhin: Neun Dörfer mit jeweils zweihundert Einwohnern vertrauen auf Carolas Heilkünste.

Zaubertrank Ayahuasca

Von Ayahuasca hatte uns auch schon unser Guide Juan erzählt. Er hatte es selbst vor vielen Jahren genommen, um herauszufinden, warum er oft so zornig und aufbrausend war. In Trance kehrte er in seine Kindheit im Dschungel zurück, sah sich als hart arbeitenden, kleinen Jungen, der überfordert war. Und er verstand. Nachdem Ausflug in seine Vergangenheit änderte sich sein Leben von Grund auf. Juan verwandelte sich in einen Mann, der mit seinem Leben zufrieden ist, Ruhe ausstrahlt und anderen Menschen mit Respekt und Güte entgegenkommt.
Damit auch wir ihre Hütte gereinigt und gestärkt für die Zukunft verlassen, führt die Schamanin nun noch eine Reinigungszeremonie für jeden Einzelnen von uns durch. Sie verteilt ein geheimes Fluid, stimmt ihren Singsang an, pustet Rauch über unsere Häupter und verabschiedet uns schließlich mit einem zufriedenen Lächeln.

Die „La Perla“: unser Zuhause auf dem Amazonas

Es hat aufgehört zu regnen, als wir in unser schmales Motorboot klettern und zurück zu unserem Flussschiff „La Perla“ brausen. Eine Woche lang hat es uns auf dem Amazonas und seinen Nebenflüssen in eine andere Welt entführt. Fast jeden Tag standen wir im Morgengrauen auf und durchstreiften im ersten Licht des Tages den Regenwald.

Amazonas Ausflug
Ausflug auf dem Amazonas: Hunderte von Vögeln begleiten uns.

Wir sahen Affen, Faultiere, Leguane, Kaimane, rosa Delfine und jede Menge Vögel. Die Tage auf der „La Perla“ flossen dahin zwischen Entdeckertouren mit der Kamera und Siesta auf der Kabine, in der große, bodentiefe Fenster selbst vom Bett aus den Blick auf den Dschungel freigaben. Kein Internet, kein Telefon, kein Facebook – dafür Natur von seiner schönsten Seite. Kaum zu glauben, wie schnell man auf einer solchen Reise „herunterkommt“, ohne sich auch nur eine einzige Minute zu langweilen.

Amazonas Piranhas
Wir angelten sogar Piranhas im Fluss.

 

 

 

Amazonas Faultier
Ein kleines Faultier genehmigt sich seine Mahlzeit.
Schlange Amazonas
Diese Schlange entdeckten wir im Schilf am Amazonas.

 

Affen Amazonas
Die Affen tanzen durch den Wald …

Die „La Perla“ ist eines von drei Flussschiffen, die von dem peruanischen Unternehmen Jungle Experiences auf dem Amazonas und seinen Nebenflüssen angeboten werden. Die Reisen können auch bei deutschen Veranstaltern gebucht werden, z.B. bei Reallatino-tours, Diamir, Olarte Travel, Takeoff Reisen, Berge & Meer, Karawane Reisen, Studiosus, Solecu Tours und Inka Reisen.

La Perla auf dem Amazonas
Die „La Perla“ von Jungle Experiences.
Kabine La Perla Amazonas
Kabine auf der „La Perla“.
La Perla Amazonas
Der beste Platz zum Chillen auf der „La Perla“!

Lesetipp: Eine große Reportage über die Flusskreuzfahrt auf dem Amazonas (inklusive Schiffstest) lest ihr im Kreuzfahrtmagazin Welcome Aboard (Ausgabe 2019, ab Mitte November 2018 hier erhältlich)!

Meine 6 besten Tipps für eine Flusskreuzfahrt auf dem Amazonas:

1. Unterkunft in Iquitos: das Doubletree Hilton.

Meine Flusskreuzfahrt auf dem Amazonas startete in Iquitos (über 400.000 Einwohner), der größten peruanischen Stadt im tropischen Regenwald. Sie ist per Straße von der Außenwelt abgeschnitten und nur mit dem Flugzeug oder mit dem Boot über den Amazonas erreichbar. Mein Hotel-Tipp hier ist das Hilton Doubletree. Die Lage ist super: Es befindet sich gut zehn Fahrtminuten vom Flughafen entfernt und direkt vor der Tür gibt es einen schönen Platz mit vielen Cafés und Restaurants in den Nebenstraßen. Es gibt einen kleinen Swimmingpool, ein Mini-Fitnesscenter und gehobene internationale Küche. WLAN steht im gesamten Hotel kostenfrei zur Verfügung. Im Gegensatz zu vielen anderen Hotels in Iquitos ist das Hilton sehr komfortabel und sauber und bietet zudem eine nette Atmosphäre.

Amazonas Hilton
Der Pool des Hotels Hilton in Iquitos.
Iquitos Amazonas
Rikscha-Stau in Iquitos…

2. Restaurant-Tipp für Iquitos: das Fitzcarraldo

(nur ein paar Gehminuten vom Hilton entfernt). 1981 drehte Werner Herzog in Iquitos und am Amazonas seinen Film Fitzcarraldo mit Klaus Kinski und Claudia Cardinale in den Hauptrollen. Im Restaurant Fitzcarraldo hängen Fotos von den Dreharbeiten, Kinoplakate und sogar die hölzerne Galionsfigur, die die „Molly Aida“ zierte. Dieses Schiff ließ Fitzcarraldo im Film von Hunderten Indios über einen Berg hieven. Das Restaurant ist aber nicht nur wegen der tollen Atmosphäre empfehlenswert: Es serviert original peruanische Gerichte – sehr lecker und preiswert.

Amazonas Fitzcarraldo
Das Plakat im Restaurant erinnert an den berühmten Film mit Klaus Kinski.
Fitzcarraldo Amazonas
Das Fitzcarraldo in Iquitos.

 

 

 

 

 

 

 

3. Mein Schiff für die Amazonas Flusskreuzfahrt: die „La Perla“.

Die „La Perla“ wurde im Jahr 2003 (von einem Missionar!) erbaut und 2016 renoviert. Mit kleinen Beibooten fuhren wir in Lagunen, durch enge Dschungelkanäle und überflutete Wälder. Bis zu 28 Passagiere werden von 14 Crewmitgliedern umsorgt, zwei Naturguides begleiten die Ausflüge, die bereits im Reisepreis enthalten sind. Die Kabinen sind klimatisiert und haben riesige Fenster, durch die man auf den Urwald und den Amazonas schaut. Neben dem Speisesaal gibt es eine Bar und eine Outdoor Lounge mit Hängematten. Die „La Perla“ gehört dem peruanischen Reiseveranstalter Jungle Experiences.

Hier seht ihr ein kurzes Video von der Flusskreuzfahrt auf dem Amazonas:

4. Must have für die Flusskreuzfahrt auf dem Amazonas: ein Fernglas.

Ich hatte kein Fernglas dabei und habe mich die ganze Zeit darüber geärgert. Meine Mitreisenden sahen jedes Detail der tropischen Vögel, der Faultiere auf den Bäumen – und ich manchmal nur einen kleinen Punkt auf einem Ast…  Laut NABU kosten Ferngläser zwischen 25 und 2000 Euro, in brauchbarer Qualität mindestens 150 Euro. Den Testsieger bei Amazon gibt es allerdings schon für knapp 50 Euro …

5. Die richtige Kleidung

Am Amazonas ist es immer feucht und warm. Also braucht man keine dicken Sachen – aber lange Hosen und Oberteile mit langem Arm. Beides schützt ebenso vor Sonnenbrand wie vor den Mücken. Am besten nimmt man Sachen mit, die leicht, luftdurchlässig und schweißaufsaugend sind. Wegen der Mücken empfehlen sich vor allem helle Stoffe. Außerdem erforderlich: Ein Hut als Kopfbedeckung, Sonnenbrille und feste Schuhe. Die „La Perla“ hatte uns Regenponchos und hohe Gummistiefel während der Amazonas Ausflüge zur Verfügung gestellt.

Amazonas Flusskreuzfahrt
Langärmelige Kleidung, Hüte, Ferngläser: gut zu gebrauchen bei einer Flusskreuzfahrt auf dem Amazonas.

6. Unbedingt mitnehmen: Mittel gegen Mücken (Repellent).

Sie sind am Amazonas zu Hause und stechen unbarmherzig zu: die Mücken des Regenwaldes. Bevor man rausgeht, sollte man sich großzügig einsprühen und dabei auch die Kleidung nicht vergessen. Bei seinem letzten Test von Repellentien vergab Stiftung Warentest nur viermal die Endnote „gut“. Testsieger war das Pumpspray Autan Protection Plus.

Kurzinfos zum Amazonas

Amazonas
Natur wohin man blickt: der Amazonas Regenwald.

1541 erkundete ein spanisches Expeditionsteam die östlichen Anden, als den Spaniern die Vorräte ausgingen. Sie schickten ein paar Leute los, die Flussmündung des Amazonas zu erkunden. Doch die Abgesandten wurden von Indianern angegriffen und unter den Kriegern befanden sich auch Frauen. Die Spanier waren total geschockt und fühlten sich an die Amazonen aus der griechischen Mythologie erinnert. So kam der mächtigste Fluss der Welt zu seinem Namen: Amazonas. Diesen führt er allerdings erst ab dem Zusammentreffen seiner beiden Quellflüsse Marañón und Ucayali in Peru.
Laut Wikipedia ist der Amazonas der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde und führt an seiner Mündung mehr Wasser als die sechs nächst-kleineren Flüsse zusammen – das ist außerdem etwa 70-mal mehr als der Rhein.

Amazonas
Kleines Dorf im Amazonas Regenwald in Peru.

(Die Reise auf dem Amazonas fand durch Unterstützung von Jungle Experiences statt.)

Begegnung mit einem Kaiman im Amazonas Regenwald.
Tarantel Amazonas
Huch! Eine Tarantel ….

Text, Fotos und Videos: Susanne Müller

Papagei Amazonas
Papagei in einem Indianerdorf am Amazonas.

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